Warum Barrierefreiheit und Gebärdensprache im Gesundheitswesen wichtig sind

by Redaktion Themen-Spezial

Barrierefreiheit und Gebärdensprache sind im Gesundheitswesen, in Deutschland und in der gesamten Europäischen Union, sehr wichtig. Alle Menschen sollten eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus besuchen und verstehen können, was mit ihrer Gesundheit geschieht. Für gehörlose und schwerhörige Menschen ist das nur möglich, wenn Kommunikation wirklich barrierefrei ist.

Gebärdensprache als erste Sprache

In Deutschland und in der EU nutzen viele Menschen Gebärdensprache als ihre erste oder wichtigste Sprache. Für sie sind gesprochene Sprachen wie Deutsch oft schwer zu verstehen, besonders in Stresssituationen. Medizinische Fachbegriffe sind kompliziert, und Lippenlesen oder schriftliche Notizen reichen meist nicht aus. Wenn Patientinnen, Patienten und Ärztinnen, Ärzte nicht gut miteinander kommunizieren können, können schwere Fehler passieren. Patientinnen und Patienten können die falschen Medikamente bekommen, ihre Krankheit falsch verstehen oder einer Behandlung zustimmen, die sie eigentlich nicht richtig verstanden haben.

Es gibt auch Gesetze, die die Rechte von Menschen mit Behinderungen schützen. Deutschland und alle EU-Staaten haben die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben. Sie sagt, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf die gleiche gesundheitliche Versorgung wie alle anderen haben, ohne Diskriminierung. In Deutschland schreiben das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und Regelungen im Sozialgesetzbuch vor, dass Barrieren abgebaut und die Kommunikation barrierefrei gestaltet werden müssen. Dazu gehören auch Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetscher.

Gebärdensprache ist nicht nur ein „praktisches Extra“. Für viele gehörlose Menschen ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ihre natürliche Sprache. Wenn professionelle Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetscher anwesend sind, können gehörlose Patientinnen und Patienten ihre Probleme klar erklären und verstehen, was Ärztinnen und Ärzte sagen. Das ist besonders in Notfällen, vor Operationen, in der Schwangerschaftsvorsorge und in der psychischen Gesundheitsversorgung sehr wichtig.

Gute Kommunikation schafft auch Vertrauen. Wenn Patientinnen und Patienten Fragen in ihrer eigenen Sprache stellen und klare Antworten bekommen können, fühlen sie sich respektiert und sicher. Sie folgen eher medizinischen Empfehlungen, nehmen ihre Medikamente richtig ein und kommen zu Nachkontrollen. Außerdem müssen sie sich nicht auf Familie oder Freunde verlassen, um private und sensible Informationen zu dolmetschen.

Für Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte und andere Gesundheitsberufe ist Barrierefreiheit Teil guter, professioneller Arbeit. Krankenhäuser und Praxen können sich verbessern, indem sie Gebärdensprachdolmetschende anbieten, visuelle Anzeigetafeln im Wartebereich nutzen und Informationen in leichter Sprache bereitstellen. Einige Mitarbeitende lernen auch einfache Gebärdensprache oder nehmen an Schulungen teil, wie man gut mit gehörlosen Patientinnen und Patienten arbeitet.

Am Ende geht es bei Barrierefreiheit und Gebärdensprache im Gesundheitswesen um Gerechtigkeit. In einem modernen Europa sollte niemand von guter medizinischer Versorgung ausgeschlossen sein, nur weil er gehörlos oder schwerhörig ist. Gesundheitsversorgung barrierefrei zu machen, ist kein besonderer Gefallen, sondern ein grundlegendes Recht und ein wichtiger Schritt hin zu gleichberechtigter Behandlung für alle in Deutschland und in der EU.

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