Kulturschock in den kleinen Dingen

Alltagsmomente zwischen Deutschland und Amerika

by Redaktion Themen-Spezial

Erste Eindrücke

Zwischen diesen beiden Kulturen zu leben hat mir gezeigt, wie unterschiedlich Kulturschock sein kann. Meist merkt man ihn in den kleinen, alltäglichen Details, den Dingen, über die man vorher nie nachdenkt, bis plötzlich alles anders läuft.

Einer meiner ersten echten Kulturschocks in Deutschland war der Flaschenverschluss, der nicht ganz abfällt. In den USA ist der Deckel nach dem Öffnen weg. In Deutschland? Er bleibt dran. Beim ersten Mal dachte ich ehrlich, die Flasche sei kaputt! Dabei ist das Absicht, um Müll zu vermeiden. Es ist eine ganz kleine Sache, aber sie zeigt perfekt, wie ernst man es hier mit dem Thema Nachhaltigkeit nimmt.

Ein anderes alltägliches Beispiel, das mich überrascht hat, war die Mülltrennung. Müll wegwerfen in Deutschland erfordert richtiges Nachdenken. Es gibt separate Behälter für Papier, Plastik, Bioabfall und Restmüll, und alle nehmen das sehr ernst. Da steht man dann mit seinem leeren Joghurtbecher da und fragt sich, wohin er jetzt gehört. Und das passiert überraschend oft. In den USA ist Müllentsorgung dagegen viel einfacher, was das deutsche System anfangs ziemlich einschüchternd wirken ließ, aber auch bewundernswert.

Auch die bezahlten öffentlichen Toiletten waren eine echte Umstellung. In Amerika sind öffentliche Toiletten meist kostenlos und leicht zugänglich. In Deutschland hingegen muss man an vielen Orten, vor allem in Bahnhöfen oder stark frequentierten Plätzen, ein paar Cent bezahlen. Anfangs fand ich das merkwürdig, aber bald lernte ich zu schätzen, dass die Toiletten dadurch meist sauberer und besser gepflegt sind.

Das Einkaufen im Supermarkt war ebenfalls ein Kulturschock, besonders an der Kasse. Die Kassierer*innen in Deutschland arbeiten unglaublich schnell, und man wird stillschweigend erwartet, mitzuhalten. Langsames Einpacken oder Kramen nach dem Geldbeutel? Undenkbar! Ich fühlte mich anfangs so, als würde ich ein System am Laufen halten, das für maximale Effizienz eingerichtet ist. An der Kasse in den USA ist es dagegen viel gemächlicher und entspannter.

Meine wichtigsten Erkenntnisse

Trotz allem gibt es so viele kleine Dinge, die ich vermissen werde, wenn ich zurück nach Hause gehe. Zum Beispiel die Deutsche Bahn: ja, sie hat Verspätungen, aber die Möglichkeit, fast überall im Land bequem hinzukommen, ist schon unschlagbar. Oder Restaurants, in denen man einfach eine ganze Pizza bestellen kann, ohne dass man extra zu einem italienischen Spezialitäten-Laden laufen muss. Und selbst die kleinen Dinge, wie frische Brötchen vom Bäcker am Morgen oder die endlose Auswahl an verschiedenen Brotsorten, werden mir fehlen.

Manchmal sind es gerade diese kleinen Alltagsfreuden, die man erst wirklich schätzt, wenn man merkt, dass sie nicht selbstverständlich sind. Genau diese Mischung aus kleinen Überraschungen, eigenartigen Gewohnheiten und alltäglichen Freuden macht das Leben hier so besonders.

So mannigfaltig die Unterschiede in Kultur und Lebensart auch sind, so sehr entdeckt man auch die Gemeinsamkeiten. Unabhängigkeit, persönliche Verantwortung und Effizienz sind Werte, die sowohl Deutschen als auch Amerikanern wichtig sind, auch wenn sie unterschiedlich umgesetzt werden. In beiden Ländern ist der Alltag von unausgesprochenen Regeln geprägt, die man mit der Zeit lernt.

Am Ende geht es beim Kulturschock nicht darum, welche Kultur „besser“ ist. Vielmehr zeigt die Erfahrung, dass das, was uns normal erscheint, oft aus vielen kleinen, alltäglichen Gewohnheiten entsteht. Die Dinge, die ich vermissen werde, sind ein Teil davon – und genau diese kleinen Unterschiede machen es so spannend, zwischen zwei Kulturen zu leben und sie wirklich zu verstehen.

 

 

Dies war ein Beitrag von Ezra.

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